Das Stift Ossiach

Seine Gründung geht auf den bayrischen Adeligen Ozi I. und seine Frau Glismond zurück.

Nach einer Legende soll der Polenkönig Boleslaus II. seine letzten Lebensjahre als stummer Büßer im Kloster verbracht und hier gestorben sein. Sein Grab findet sich heute noch am Friedhof in Ossiach.

1484 wurden Kirche und Kloster durch einen Brand zerstört. Die Kirche wurde dann in gotischem Stil wiederrichtet und zwischen 1737 und 1746 in spätbarockem Stil umgebaut. Die Stuckarbeiten stammen von Meister Jakob Kopf und 13 Arbeitern aus Bayern. Die Fresken stammen von Josef Ferdinand Fromiller.

Im Jahre 1783 wurde das Kloster unter Kaiser Josef II. aufgehoben. Die Räumlichkeiten wurden der Verwendung als Kaserne und Gestüt zugeführt. Dabei gingen Archiv und Bibliothek des Stifts verloren. Große Teile der Klosteranlage, unter anderem der Kreuzgang, wurden 1816 abgerissen.

1946 wurde das Stift an die Österreichischen Bundesforste übergeben. Seit 1969 dient es alljährlich in den Sommermonaten als Austragungsort für den Carintischen Sommer.

 

 

Der stumme Büsser von Ossiach

Es war um 1080, an einem stürmischen Herbstabend, als ein Pilger an die Pforten des Klosters zu Ossiach pochte und in der Zeichensprache der Stummen um Einlass bat. Der Pförtner ließ den Gast eintreten. Man reichte ihm Abendbrot und wies ihm ein Nachtlager an. Als man aber am Morgen erwartete, der Fremdling würde seinen Weg fortsetzen, flehte er mit Gebärden den Abt Techo an, im Kloster bleiben zu dürfen. Zögernd willigte der Abt ein, aber nur zu den Diensten eines Knechtes konnte er den Stummen verwenden. Willig fügte sich dieser in seine armselige Stellung. Geduldig, fleißig und bescheiden wie wenige, erwarb sich der stumme Knecht die Zuneigung aller. Im neunten Jahr erkrankte er schwer und fühlte, dass sein Ende bevor stand.

Nun öffneten sich die lange verschlossenen Lippen des Sterbenden. und enthüllten den versammelten Mönchen das Rätsel seiner Herkunft. Der stumme Knecht war Boleslaus II. Jener Polenkönig, der sich als Herzog Boleslaus zur Zeit von Heinrich IV vom Deutschen Reich unabhängig gemacht und von seinen Bischöfen hatte krönen lassen. Freimütig erhob sich bald Bischof Stanislaus von Krakau gegen seinen freimütigen Lebenswandel und schloss den König aus der Gemeinschaft der Kirche aus, als diese sich nicht bessern wollte.

Von des Bischofs Kühnheit gereizt, sandte Boleslaus Söldlinge, um den frommen Mann in der Kirche zu ermorden. Diese wagten es jedoch nicht, den schlimmen Auftrag auszuführen. So brach der König selbst mit einigen Begleitern in die Kirche ein und erschlug den Priester am Altar. Jetzt jagten die Großen den Tyrannen aus dem Lande. Er fand keine Stätte, um sein müdes Haupt zur Ruhe zu legen. Von Gram und Reue gepeinigt beschloss er nach Rom zu ziehen um dort sein Gewissen zu erleichtern und Aufhebung des Kirchenbannes zu erflehen.

Auf dem Weg dahin erreichte er Ossiach, dessen Weltabgeschiedenheit in ihm den Entschluss reifen ließ, hier als stummer Büßer sein Leben zu beschließen. Jahrelang hielt er getreu an diesem Beschluss fest, bis er das Geheimnis am Sterbebett enthüllte und den gerührten wie erstaunten Mönchen die Geschichte seines Frevels und seiner Sünden erzählte. Als Beweis der Wahrheit übergab der König dem Abt seinen Siegelring mit dem königlichen Wappen.